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"Vielfalt als Stärke": Fachtag zur Interkulturalität


In jeder Gesellschaft finden sich Normen und Regeln, die als Orientierungshilfe dienen und die Haltung sowie das Verhalten der Menschen beeinflussen und prägen. Diese kulturelle Prägung macht sich häufig an alltäglichen Dingen wie Essgewohnheiten, Begrüßungsformen, zwischenmenschlichen Beziehungen, Sitten und Gebräuchen bemerkbar. Trotzdem ist die Kultur nur einer von vielen Aspekten, durch die der Mensch beeinflusst wird.


Der Fachtag "Vielfalt als Stärke" am 16. Mai in Stuttgart verschaffte einen Überblick über aktuelle Fragestellungen sowie Hintergrundinformationen rund um die Themen Interkulturalität und Diversität. Außerdem stellten einige Landratsämter an Infoständen ausgewählte Projekte und Veranstaltungen mit interkulturellem Bezug vor. Ernährungsreferentinnen und -referenten des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) konnten sich bei dem Fachtag weiterbilden, austauschen und erhielten Impulse für die Arbeit als Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren.


Cornelia Bressem, Leiterin des Referats Ernährung im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, und Dr. Max Bernlochner, Leiter des Referats Interkulturelle Angelegenheiten im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung. In ihren Ansprachen wurde deutlich, dass der Begriff "Vielfalt" durchweg positiv belegt und in nahezu jedem Lebensbereich zu finden ist: Sprache, Musik, Beruf, Politik, Tourismus und vieles mehr. Entscheidend sei, wie mit der Vielfalt in den verschiedenen Lebenswelten umgegangen werde.


Dr. Kidist Hailu ist Referentin auf dem Gebiet der interkulturellen Kommunikation und betonte in ihrem Vortrag, dass jede interkulturelle Begegnung in erster Linie eine Begegnung zwischen Individuen ist. Neben kulturellen Aspekten seien das Verhalten und die Sichtweise von Personen vor allem durch die jeweilige Situation, den Kontext und die Erfahrungen sowie von ökonomischen, rechtlichen, sozialen und politischen Aspekten beeinflusst. Gleichzeitig betonte sie, dass interkulturelle Kompetenz ein Prozess ist, bei dem es darum geht Unterschiede wahrzunehmen und keine Pauschalisierungen zu treffen. Sie rief dazu auf, sich der vielen Facetten, die einen Menschen ausmachen, bewusst zu werden und offen gegenüber einem Perspektivenwechsel zu sein.


Annika Bilo, Redakteurin beim Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in Bonn informierte über Materialien zum Thema Essen und Trinken und deren zielgruppengerechte Anwendung. Essen, Trinken und Bewegung sind Themen, bei denen jeder mitreden kann. Deshalb eignen sie sich, um Menschen unterschiedlichen Alters, aus verschiedenen Kulturen oder Menschen mit Analphabetismus ins Gespräch zu bringen. Aus diesem Grund hat das BZfE praxisorientierte und alltagsnahe Materialien für Deutsch- und Alphabetisierungskurse für die Erwachsenenbildung entwickelt. Grundlage der neu entwickelten Materialien ist das Handbuch „Food & Move Literacy“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden durch gezielte Übungen motiviert, ihren Lernerfolg zu verbessern. Gleichzeitig werden auch Fähigkeiten erworben, den Ernährungsalltag verantwortungsbewusst, selbstbestimmt und genussvoll zu gestalten.


Prof. Dr. Meike Munser-Kiefer, Professorin für Grundschulpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, sprach über didaktische Herausforderungen im Umgang mit Vielfalt in der Grundschule. Die Grundeinstellung von Ernährungsreferentinnen und -referenten zur Interkulturalität ist dabei ein fundamentaler Baustein, wenn interkulturelle Bildung gelebt werden soll. Um erfolgreich mit Heterogenität und Interkulturalität umzugehen, sei es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Menschen einzigartig und individuell sind. Damit Referentinnen und Referenten in der Ernährungsbildung mit sprachlich-kultureller Vielfalt umzugehen wissen, ist unter anderem das Verständnis für die interkulturelle Kompetenz unabdingbar. Nur so können Fettnäpfchen und unterschwellige Diskriminierung vermieden und die Vielfalt wertgeschätzt werden. Daneben seien auch Kompetenzen in der Sprachförderung und Kompetenzen im Umgang mit der Heterogenität, um individuelle Lernvoraussetzungen zu erkennen und daran anzuknüpfen, unerlässlich.


Johanna-Elisabeth Giesenkamp, Beauftragte für Schulverpflegung der Stadt Osnabrück und Fachreferentin für das Projekt "Inklusion durch Schulverpflegung" der Hochschule Osnabrück, informierte über die praktische Bedeutung von religiösen Speisevorschriften in der Schulverpflegung. Sie betonte, dass in Deutschland vermehrt Menschen mit unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten leben und diese Entwicklung neue Anforderungen an die Verpflegung in Schulen und Kitas mit sich bringe. In der Praxis  spielen insbesondere die Vorschriften des Islams ein große Rolle. Die Berücksichtigung von religiösen Speisevorschriften in der Schulverpflegung biete die Chance, gemeinsam Essen zu können, unabhängig vom religiösen Hintergrund der Essensteilnehmerinnen und -teilnehmer. Somit könnten Kinder und Jugendliche unmittelbar erfahren, dass sie akzeptiert werden, auch dann, wenn sie aus religiösen Gründen nicht alles verzehren können.


Fazit:

In der Ernährungsbildungsarbeit ist es entscheidend, abseits von kulturellen, religiösen, sowie Alters- oder Geschlechtsunterschieden den Fokus auf einen wertschätzenden Umgang mit jedem Einzelnen zu werfen. Es zählt vor allem der einzelne Mensch mit seinen Stärken.


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