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Ein voller Erfolg: 1. Tag der Kitaverpflegung in Baden-Württemberg



Erfolgreich startete in diesem Jahr unter dem Motto „Vielfalt schmecken + entdecken“ der erste Tag der Kitaverpflegung in Baden-Württemberg am 19. April 2018. Mit rund 150 Teilnehmern war die Resonanz auf die interessanten Vorträge und Workshops des Fachtages hoch.

Gleich zu Beginn übernahmen die Stars des Tages die Bühne: Die Kinder aus dem Haus für Kinder im Scharnhauser Park kamen als Vertreter für die eigentliche Zielgruppe für ein gutes Kitaessen. Gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften der Einrichtung hatten sie schon lange für ihren großen Auftritt geprobt. Begleitet von der Gitarre eines Vaters sangen sie mit voller Inbrunst passend zum Thema das Lied „Die Piraten“, die aus Versehen mit Melonen statt Kanonenkugeln schießen.

Frau Staatssekretärin Friedlinde Gurr Hirsch MdL war sichtlich ergriffen von der Begeisterung der Kinder. „Da geht einem das Herz auf“, sagte sie in ihrem Grußwort. Der Qualitätsstandard der DGE, den es für alle Lebenswelten gibt, bildet als praxistaugliche Hilfestellung die Grundlage für ein gutes Kitaessen. Im Hinblick darauf, dass nur drei Kitas und zehn Kita-Caterer in Baden-Württemberg DGE-zertifiziert sind, entspricht das Essen häufig nicht den Anforderungen und es besteht deutlicher Handlungsbedarf.

Warum das Essen in der Kita so wichtig ist, erklärte Professor Dr. Martin Wabitsch von der Universitätsklinik Ulm den interessierten Teilnehmern. Schon im Kleinkindalter zeichnen sich Vorboten ernährungsmitbedingter Krankheiten ab. Kinder sind nicht nur dicker als in den 90er Jahren, auch die Muskelmasse hat deutlich abgenommen. Der Gemeinschaftsverpflegung in den Einrichtungen kommt eine verantwortungsvolle Rolle zu, denn hier kann ein ungesundes Essverhalten in den Herkunftsfamilien zumindest teilweise kompensiert werden. Als besonders wichtig für die Prävention erachtet er leicht zugängliches, kostenloses Trinkwasser in allen Einrichtungen, am besten über einen leitungsgebundenen Trinkwasserspender.

Katrin Eitel von der Vernetzungsstelle Kita und Schulverpflegung Baden-Württemberg zeigte auf, was benötigt wird, damit das Essen in der Kita einfach lecker schmeckt: Man braucht qualitativ hochwertige Zutaten, ein Rezept, eine gute Zubereitung und wesentlich sind die an der Kitaverpflegung beteiligten Personen. Wertvolle Zutaten sind zum einen das Bewusstsein für das Kita-Essen, der DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder sowie die Essatmosphäre, denn kein Kind ist gerne, wenn es sich im Essensraum nicht wohl fühlt. Jedoch erinnern sich Kinder später nicht sehr daran, was sie gegessen haben, sondern eher an die Stimmung bei Tisch. Daher muss die Qualität des Essens selbstverständlich sein und den Empfehlungen des DGE-Qualitätsstandards entsprechen. An einem Runden Tisch sollten sich alle an der Kita-Verpflegung beteiligten Personen auf Augenhöhe austauschen und die gemeinsamen Ansprüche an Ihr Verpflegungskonzept erarbeiten. Nur mit der Mitbestimmung aller Akteure wird das Verpflegungskonzept ein voller Erfolg.

In einer kurzen bewegten Pause waren die Teilnehmer dazu aufgefordert, sich Gedanken zu ihrer eigenen Essbiografie zu machen. Denn dies ist Vorrausetzung dafür, die eigenen Vorlieben und Abneigungen nicht auf die Kinder zu übertragen.

Heidi Meyer, Leitung des Kindergartens St. Nikolaus in Mühlhausen-Rettigheim, lieferte anschauliche Beispiele, wie es tatsächlich möglich ist, die Theorie in tollen Aktionen und Projekten in die Praxis umzusetzen. Die Lebenswelt der Kinder hat sich verändert. Es gibt viele berufstätige Eltern, häufig fehlt der Bezug zum Lebensmittel, nur wenige Kinder wachsen beispielsweise mit einem eigenen Garten zu Hause auf. In einer Welt, in der es immer alles im Überfluss gibt, fehlt auch oft die Verbindung zu Regionalität und Saisonalität. Voraussetzungen für ein bewusstes Essverhalten sind, dass Kinder die Vielfalt von Lebensmitteln kennen lernen, dass sie wieder einen Bezug zu den Lebensmitteln herstellen, vielfältige sinnliche Erfahrungen machen, die Möglichkeit zur Partizipation bekommen und dass sie Bezugspersonen haben. Allen Beteiligten kann es Freude bringen, wertschätzend und mit Genuss mit Lebensmitteln umzugehen.

Nach der Mittagspause mit einem saisonalen, regionalen, nachhaltigen Mittags-Snack für die Teilnehmer sprach Dr. Anke Oepping vom Nationalen Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ). Das NQZ sieht seine Aufgaben in der Struktur- und Prozessqualität und nicht in der Beratung. Es leistet aus der Perspektive des Bundes auf nationaler Ebene einen Beitrag zur Kita- und Schulverpflegungssituation auf Bundesebene. Das gemeinsame Ziel des NQZ und der Vernetzungsstellen Kita- und Schulverpflegung ist die nachhaltige Verbesserung von Essen und Trinken in Kita und Schule, damit unsere Kinder gesund und glücklich aufwachsen können. Dr. Oepping nahm den Titel der Veranstaltung „Vielfalt schmecken + entdecken“ auf und stellte dem Publikum ‚Risiken und Nebenwirkungen‘ eines Tags der Kitaverpflegung anhand einer Medikamenten-Packungsbeilage dar, womit sie alle begeisterte.

Am Nachmittag konnten von jedem Teilnehmer zwei Workshops zu unterschiedlichen Themen besucht werden. Zwischen den beiden Workshop-Durchgängen verloste die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung 35 Kitaideenboxen im Wert von je 40 €, welche das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zur Verfügung stellte, an glückliche Teilnehmer.

Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Baden-Württemberg unterstützt auf dem Weg zu einer guten Gemeinschaftsverpflegung in Kita und Schule und steht für Fragen und Anliegen gerne zur Verfügung.



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